Zu Besuch bei Dr. Caroline von Kretschmann

Wer den Europäischen Hof in Heidelberg besucht, dem werden sofort zwei prachtvolle Sessel auffallen: Wuchtig, gemütlich, mit braunem Korpus – und mit Samtpolstern in frechem Pink. Das Shocking Pink von Yves Saint Laurent. Wie auf einem Laufsteg flankieren sie den Treppenaufgang des Grand Hotels und bilden einen tollen Kontrast zu den in lindgrün bespannten Sesseln und Sofas im Kaminzimmer. Kein Gast, der nicht kurz innehält und die Szenerie betrachtet. Dr. Caroline von Kretschmann, geschäftsführende Gesellschafterin und Direktorin des Hauses, muss schmunzeln. „Meine Mutter ist die Inneneinrichterin bei uns“, erklärt sie, „sie entwirft die Ausstattungen der Zimmer, kümmert sich um jedes Detail, arrangiert die Blumen im ganzen Haus und hat einfach mit Abstand den besten Geschmack in der Familie.“

Es ist noch früh am Vormittag, aber in Heidelbergs Grand Hotel herrscht schon seit Stunden geschäftiges Treiben. Im „Wohnzimmer der Stadt“, wie das Hotel von der Managerin liebevoll genannt wird, logiert ein internationales Publikum. Vom Sommerrestaurant her, wo die Gäste mit Blick in den mediterranen Garten ihr Frühstück genießen, klingen Stimmen und Lachen ans Ohr. „Lassen Sie uns in einen Konferenzraum gehen“, sagt Caroline von Kretschmann und hat sich bereits zur Tür gedreht, „da ist es etwas ruhiger.“ Als sich wenig später die hohen Flügeltüren hinter uns schließen und ein junger Mann Kaffee serviert, kommt die Managerin direkt zum Thema, das sie bewegt: Das Unternehmertum in der Hotellerie.

„Ich bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen, habe früh gelernt, was Verantwortung für ein Unternehmen bedeutet, welcher Kraftaufwand damit verbunden ist und was schaflose Nächte bedeuten“, so von Kretschmann, „andererseits habe ich mitbekommen, wie viel Freude und Erfüllung darin besteht, zu gestalten, aufzubauen und sein eigener Herr zu sein.“ Es sei für sie quasi genetisch vorbestimmt gewesen, ebenfalls als Unternehmerin tätig zu sein – allerdings zunächst nicht in Heidelberg, sondern an der Spree.

„Als mich meine Eltern vor über 20 Jahren zum ersten Mal fragten, ob ich den Europäischen Hof übernehmen will, habe ich zunächst ‚nein’ gesagt“, erzählt Caroline von Kretschmann. „Ich lebte schon seit vielen Jahren in Berlin, hatte eine eigene Unternehmensberatung aufgebaut.“ Doch schließlich überwogen die Argumente, das Hotel in vierter Generation weiterzuführen, anstatt einen externen Manager einzusetzen. „Die Kraft eines Familienunternehmens kann einen Sog entwickeln, dem man sich nur schwer entziehen kann“, bringt die sympathische Unternehmerin ihre Entscheidung auf den Punkt. Natürlich sei es mutig gewesen, ohne Hotelerfahrung einen Betrieb mit 170 Mitarbeitern zu übernehmen, aber Mut gehöre eben auch dazu. Durch ihre über 15 jährige Tätigkeit in der Strategie- und Organisationsberatung sowie ihre Führungserfahrung war die promovierte Betriebswirtin aber durchaus gut vorbereitet, um diese riesige Aufgabe anzunehmen : „Aus heutiger Sicht habe ich noch viel mehr Respekt vor dem Lebenswerk meiner Eltern. Sie waren mutige Entscheider, auch gegen starken Widerstand, haben immer an sich geglaubt und sich kongenial ergänzt.“ Diese unternehmerische Belastbarkeit und Zuversicht habe die Familie und den Europäischen Hof Heidelberg auch durch Krisenzeiten getragen.

Bestes Beispiel für diese Haltung, sagt Caroline von Kretschmann, sei ihre Mutter. Und das schon seit über 50 Jahren: Sylvia von Kretschmann steht für die dritte Generation des familiengeführten Unternehmens, hat gemeinsam mit ihrem Mann Ernst-Friedrich von Kretschmann den Europäischen Hof Heidelberg zu heutiger Größe geführt. Für das erste Haus am Platz sind Eleganz und Behaglichkeit kein Widerspruch, das zeigt sich in jedem Detail. Jedes Zimmer, jedes Appartement ist individuell und mit viel Liebe gestylt, die Stoffe von Sylvia von Kretschmann ausgesucht. Das gilt auch für die Restaurants und das Herz des Europäischen Hofs, die Halle. Nach den Vorgaben der Senior-Chefin entstehen in den hauseigenen Werkstätten Vorhänge und Kissen, Hussen und Polster. Hier werden auch Reparaturen und Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. „Wir sehen das als unseren Beitrag zur Ressourcenschonung“, sagt Caroline von Kretschmann, „und das schätzen unsere Gästen sehr. Ex und hopp gibt es bei uns nicht.“ Caroline von Kretschmann sieht sich vor der Aufgabe, das Lebenswerk ihrer Eltern nicht nur zu bewahren, sondern in eine erfolgreiche Zukunft zu führen – mit den Gestaltungsmöglichkeiten und der Freiheit einer Unternehmerin.

„Die Kraft eines Familienunternehmens kann einen Sog entwickeln, dem man sich nur schwer entziehen kann.“

Genau das sei der „Kitzel“, sagt sie. „Freiheit ist relativ“, so von Kretschmann, „aber unabhängig von Konzernrichtlinien gestalten und eine eigene Führungsphilosophie entwickeln zu können, das ist großartig.“ Ein ganz wichtiger Punkt dieser Philosophie: Gutes tun. Die Managerin ist ein Teamplayer. Sie verbringt viel Zeit im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeitern, fördert, unterstützt, motiviert. Sie will Vorbild sein, Werte vorleben – und sie glaubt an ihr Team. „Eigentlich sind wir hier 170 Hoteliers – jeder Mitarbeiter denkt unternehmerisch, zusammen ergibt das so etwas wie eine ‚Schwarmintelligenz’“, erzählt sie begeistert. Und dann verrät sie auch noch das Rezept dazu: „Wir lieben, was wir tun.“

Und dann verrät sie auch noch das Rezept dazu: „Wir lieben, was wir tun.“

Thomas Bonanni

DER EUROPÄISCHE HOF HEIDELBERG
Friedrich-Ebert-Anlage 1
D - 69117 Heidelberg
T +49 (0) 6221 515-0
welcome@europaeischerhof.com

Thomas Bonanni

DER EUROPÄISCHE HOF HEIDELBERG
Friedrich-Ebert-Anlage 1
D - 69117 Heidelberg
T +49 (0) 6221 515-0
welcome@europaeischerhof.com