Zu Besuch bei Karina Ansos
Ein sonniger Frühlingstag in Koblenz. Karina Ansos erwartet uns auf der großzügigen Terrasse des Hauses. Von hier aus schweift der Blick weit über die glitzernde Mosel; am hauseigenen Bootssteg besteigen Gäste ein schnittiges Motorboot. Die Begeisterung für ihr Hotel steht der geschäftsführenden Direktorin ins Gesicht geschrieben. Ein Schluck Kaffee – und schon sind wir mittendrin im Gespräch.
Liebe Frau Ansos, seit dem 1. Februar 2026 sind Sie als geschäftsführende Direktorin im FÄHRHAUS Koblenz, nach mehr als zwanzig Jahren in Häusern der Kempinski-Gruppe, davon die letzten drei Jahre als Managing Director des Berliner Adlon. Nun also von der Spree an die Mosel – was hat Sie zu dem Schritt bewogen, in die Privathotellerie zu wechseln?
In meiner Zeit in der Konzernhotellerie habe ich unglaublich viel gelernt, außergewöhnliche Chancen erhalten und häufig auch Pionierarbeit geleistet, nicht selten als erste Frau in bestimmten Positionen oder Projekten. Nach vielen Jahren wuchs jedoch der Wunsch, in die Privathotellerie zu wechseln, in eine Welt, in der vieles persönlicher ist, Entscheidungswege kürzer sind und oft mehr Raum für eigene Gestaltung besteht. Mit diesem Gedanken spielte ich schon länger. Als ich das FÄHRHAUS Koblenz dann zum ersten Mal gesehen habe, wurde daraus eine klare Entscheidung. Das Haus, die Lage direkt an der Mosel, das Team, Koblenz als touristisch noch unterschätzter Standort und nicht zuletzt das spürbare, teils noch ungenutzte Potenzial – all das hat mich sofort begeistert.
Liebe Frau Ansos, seit dem 1. Februar 2026 sind Sie als geschäftsführende Direktorin im FÄHRHAUS Koblenz, nach mehr als zwanzig Jahren in Häusern der Kempinski-Gruppe, davon die letzten drei Jahre als Managing Director des Berliner Adlon. Nun also von der Spree an die Mosel – was hat Sie zu dem Schritt bewogen, in die Privathotellerie zu wechseln?
In meiner Zeit in der Konzernhotellerie habe ich unglaublich viel gelernt, außergewöhnliche Chancen erhalten und häufig auch Pionierarbeit geleistet, nicht selten als erste Frau in bestimmten Positionen oder Projekten. Nach vielen Jahren wuchs jedoch der Wunsch, in die Privathotellerie zu wechseln, in eine Welt, in der vieles persönlicher ist, Entscheidungswege kürzer sind und oft mehr Raum für eigene Gestaltung besteht. Mit diesem Gedanken spielte ich schon länger. Als ich das FÄHRHAUS Koblenz dann zum ersten Mal gesehen habe, wurde daraus eine klare Entscheidung. Das Haus, die Lage direkt an der Mosel, das Team, Koblenz als touristisch noch unterschätzter Standort und nicht zuletzt das spürbare, teils noch ungenutzte Potenzial – all das hat mich sofort begeistert.
Als Top-Managerin senden Sie mit diesem Wechsel wichtige Signale an andere Führungskräfte, die das Segment der Privathotellerie bislang vielleicht noch nicht so beachtet haben. Kann man sagen, die private Hotellerie im Luxussegment ist ein „hidden gem“?
Jein. Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da mehrere Facetten eine Rolle spielen. Die private Hotellerie im Luxussegment ist häufig familiengeführt, Führungspositionen sind oft intern besetzt, sodass der Einstieg für Außenstehende nicht immer einfach ist. Andererseits bietet die Privathotellerie Vorteile, die in der Konzernhotellerie selten sind: kurze Entscheidungswege, mehr Gestaltungsfreiheit, unmittelbarer Einfluss auf die Gästeerfahrung und die Möglichkeit, ein Haus langfristig mitzuprägen.
Wer sich auf ein Haus und einen Standort einlässt, muss sich zwar für neue Herausforderungen neu bewerben – anders als in der Konzernhotellerie, wo man verschiedene Länder, Häuser und Aufgabenfelder im selben Unternehmen kennenlernen kann – gewinnt dafür aber Intensität, Persönlichkeit und Verantwortung. Letztlich ist es auch eine Frage von Typ, Erfahrung und dem Punkt im Leben, an dem man gerade steht.
Als Top-Managerin senden Sie mit diesem Wechsel wichtige Signale an andere Führungskräfte, die das Segment der Privathotellerie bislang vielleicht noch nicht so beachtet haben. Kann man sagen, die private Hotellerie im Luxussegment ist ein „hidden gem“?
Jein. Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da mehrere Facetten eine Rolle spielen. Die private Hotellerie im Luxussegment ist häufig familiengeführt, Führungspositionen sind oft intern besetzt, sodass der Einstieg für Außenstehende nicht immer einfach ist. Andererseits bietet die Privathotellerie Vorteile, die in der Konzernhotellerie selten sind: kurze Entscheidungswege, mehr Gestaltungsfreiheit, unmittelbarer Einfluss auf die Gästeerfahrung und die Möglichkeit, ein Haus langfristig mitzuprägen.
Wer sich auf ein Haus und einen Standort einlässt, muss sich zwar für neue Herausforderungen neu bewerben – anders als in der Konzernhotellerie, wo man verschiedene Länder, Häuser und Aufgabenfelder im selben Unternehmen kennenlernen kann – gewinnt dafür aber Intensität, Persönlichkeit und Verantwortung. Letztlich ist es auch eine Frage von Typ, Erfahrung und dem Punkt im Leben, an dem man gerade steht.
Die Konzernhotellerie bietet enorme Chancen, besonders für Ein- und Aufsteiger. Für mich haben jedoch nach all den Jahren die Vorteile der Privathotellerie überwogen: die Möglichkeiten, persönlich zu gestalten, das Team intensiv zu begleiten und unmittelbaren Einfluss zu haben. Mein Weg war für mich richtig und ich würde ihn jederzeit genauso wiedergehen.
In den Fachmedien war zu lesen, dass Sie mit Ihrer langjährigen internationalen Expertise neue Impulse setzen wollen und neben der operativen Führung des Hauses auch die strategische Ausrichtung verantworten. Was ist Ihre Vision vom FÄHRHAUS Koblenz?
Das FÄHRHAUS Koblenz ist in der Region sehr bekannt und geschätzt – gleichzeitig gibt es noch ungenutzte Potenziale. Beispielsweise könnten durch die hohe Firmendichte vor Ort noch stärkere Kooperationen entstehen. Mein Ziel ist es, das Haus über die regionalen Grenzen hinaus national und international stärker zu positionieren. Koblenz ist ein oft unterschätzter Standort, und das FÄHRHAUS Koblenz verfügt über eine herausragende Lage, die es verdient, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Ein weiteres Anliegen ist es, das Profil und die Wahrnehmung des Hauses zu schärfen. Die zahlreichen Alleinstellungsmerkmale sind bisher noch zu wenig im Fokus. Die Mitgliedschaft bei FEINE PRIVATHOTELS war hier ein wichtiger erster Schritt, um das Haus sichtbar zu machen und die zukünftige Ausrichtung klar zu definieren.
Wie gewohnt, arbeiten Sie auch an Ihrem neuen Wirkungsort mit exzellenten Kolleginnen und Kollegen zusammen, genannt sei stellvertretend Yannick Noack, der 2025 für das Gourmetrestaurant GOTTHARDT’S by Yannick Noack „aus dem Stand heraus“ zwei Michelinsterne erkochte. Wie führen Sie Ihr Team, um Bestleistungen zu erreichen – und kontinuierlich zu halten?
Das ist mir schon beim ersten Besuch sofort aufgefallen: Das Team im FÄHRHAUS Koblenz ist gleichzeitig professionell, freundlich und sehr persönlich. Es besteht aus langjährigen und vielen jungen Mitarbeitenden, die höchste Professionalität mit großem Zusammenhalt verbinden – das spürt man in jeder Begegnung. Die Basis ist also hervorragend. Ich plane, dass die Abteilungen noch enger zusammenarbeiten, alle an einer gemeinsamen Vision orientiert sind und jede Person im Team das Gefühl hat, aktiv an der Zukunft des Hauses mitzuwirken.
Das GOTTHARDT’S by Yannick Noack ist ein absolutes Highlight, aber auch das Restaurant LANDGANG beeindruckt mit kulinarischer Qualität und einem engagierten Team. Der Spa-Bereich bietet innovative Anwendungen, und das Eventteam realisiert großartige Veranstaltungen für Unternehmen, Vereine und Privatpersonen.
All das gehört zum FÄHRHAUS Koblenz, und jede einzelne Person soll die Motivation spüren, Teil von etwas Großem zu sein. Für mich entstehen Bestleistungen aus Motivation, klaren Zielen und dem gemeinsamen Streben nach Exzellenz.
Hand aufs Herz – sind Sie eine „nahbare“ Chefin?
Das würde ich auf jeden Fall von mir behaupten. Mir ist es sehr wichtig, dass ich alle Mitarbeitenden persönlich kenne und dass sich jedes Teammitglied wahrgenommen und wertgeschätzt fühlt. Meine Tür soll offenstehen, auch wenn ich aktuell noch mitten in einem Prozess bin, mich in zahlreiche Themen einzuarbeiten und Strukturen zu schaffen.
Die Hotellerie klagt allgemein über Nachwuchsmangel. Was müsste Ihrer Ansicht nach getan werden – seitens der Branche selbst wie auch des Gesetzgebers – um hier positive Veränderungen in Gang zu setzen?
Die Hotellerie steht seit einigen Jahren vor der Herausforderung, ausreichend Nachwuchs zu gewinnen. Aus meiner Sicht muss vor allem das Bild der Branche stärker geschärft werden: Was bedeutet es eigentlich, in einem Hotel zu arbeiten? Welche Möglichkeiten und Erfahrungen bietet dieser Beruf? Die Gastronomie hat hier in den letzten Jahren einen deutlichen Imagewandel erlebt – nicht zuletzt durch mediale Präsenz, etwa Serien rund um Küchenchefs, aber auch durch modernere Führungsstrukturen mit klaren Verantwortungsbereichen und mehr Offenheit für Ideen und Mitgestaltung. Eine ähnlich transparent dargestellte Entwicklung würde auch der Hotellerie guttun.
Gleichzeitig ist es Aufgabe der Branche selbst, attraktive Arbeitsbedingungen, gute Ausbildungsprogramme und echte Entwicklungsperspektiven sichtbar zu machen. Seitens des Gesetzgebers könnten vor allem eine stärkere Förderung der beruflichen Bildung sowie schnellere und unbürokratischere Wege und Entscheidungen dazu beitragen, die Situation nachhaltig zu verbessern. Deutschland macht es sich manchmal unnötig selbst schwer, zukunftsfähig zu bleiben.
Als geschäftsführende Direktorin sind Sie das Gesicht des Hauses. Wie leben Sie Ihre Rolle als Gastgeberin?
Nach außen hin bin ich sicherlich das Gesicht des Hauses. In Wirklichkeit verstehe ich Gastgebertum jedoch als eine Aufgabe des gesamten Teams. Jede einzelne Person trägt dazu bei, wie ein Gast seinen Aufenthalt erlebt. Meine Rolle ist es deshalb, diese Haltung vorzuleben und so ins Team zu tragen, dass sie an jedem Touchpoint spürbar wird. Das gelingt nur mit einer gemeinsamen Vision – denn echte Gastfreundschaft entsteht immer ganzheitlich.
Wenn Sie selbst reisen, worauf achten Sie besonders?
Für mich beginnt alles mit dem Gefühl, das ein Haus vermittelt. Welches Ambiente nehme ich wahr, wenn ich eintrete? Wie wirken die Menschen, wie werde ich empfangen? Der erste Eindruck stellt die Weichen für den gesamten Aufenthalt. Darüber hinaus achte ich sehr auf die Details und ertappe mich dabei, auch auf die „Hard- und Software“ eines Hauses zu schauen: also auf die räumliche und gestalterische Substanz ebenso wie auf Abläufe, Strukturen und das Zusammenspiel im Team. Wie wird ein Konzept tatsächlich gelebt, wie geht man mit Herausforderungen um, wie begegnet man den Gästen? Das ist vermutlich eine kleine Berufskrankheit, bringt mich aber auch immer weiter. Gerade deshalb sehe ich auch in Kooperationen wie mit FEINE PRIVATHOTELS einen großen Mehrwert: Der Austausch und das Lernen voneinander eröffnen neue Perspektiven und daraus entsteht fast immer etwas Positives.
Letzte Frage: Zum FÄHRHAUS Koblenz gehört eine eigene Marina mit acht Anlegestellen. Werden wir Sie im Sommer auf der Mosel sehen?
Das Wasser hat für mich eine große Anziehungskraft. Daher steht fest, dass ich die Moselregion auch vom Wasser aus entdecken möchte. Zumindest in kleinerem Rahmen wird das schon in dieser Saison gelingen – gemeinsam mit unserem Partner, über den wir private Bootstouren organisieren. Besonders freue ich mich auf das Event „Bootstour & BBQ“ Anfang August, bei dem sich Genuss und die besondere Perspektive vom Wasser aus wunderbar verbinden.
Ob daneben noch Zeit für einen eigenen Bootsführerschein bleibt, wage ich zumindest in meinem ersten Jahr hier noch zu bezweifeln.
IHRE GASTGEBERIN IM FÄHRHAUS KOBLENZ
Sie können Karina Ansos unter faehr.haus oder per E-Mail an hotel@faehr.haus erreichen.
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